Ernst Bloch über seine Zeit in Garmisch

 

 

1885 Ernst Bloch wird als Sohn des jüdischen Eisenbahnbeamten Max Bloch und dessen Frau Berta in Ludwigshafen geboren. 1905-1908 Studium der Philosophie, Physik, Germanistik und Musik in München und Würzburg. 1908 Promotion in Philosophie an der Würzburger Universität. 1908-1914 Tätigkeit als Privatlehrer und Publizist in Berlin und Heidelberg. In Heidelberg gehört er dem Kreis um Max Weber an. 1911-1917 in Garmisch und in Grünwald bei München. Bloch protestiert in einigen Veröffentlichungen gegen die deutsche Politik im Ersten Weltkrieg. 1917-1919 Exil in der Schweiz aus pazifistischer Überzeugung. 1918 Sein erstes philosophisches Hauptwerk erscheint. In "Geist der Utopie" philosophiert Bloch über eine humane Gesellschaft. 1920 Rückkehr nach Deutschland. Er wird Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1920-1933 Tätigkeit als Publizist. Aufenthalte in Berlin, Südfrankreich, Italien, Paris und Nordafrika. Bloch spricht sich öffentlich gegen die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) aus. 1922 Veröffentlichung von "Thomas Müntzer als Theologe der Revolution". 1933 Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wird Bloch ausgebürgert. Zweite Emigration in die Schweiz. 1934/35 Aufenthalt in Paris. Teilnahme am Pariser "Kongress der Antifaschisten". 1936-1938 Aufenthalt in der Tschechoslowakei. Bloch publiziert in der Prager Exilzeitschrift "Die Neue Weltbühne". 1938 Nach dem Münchner Abkommen entschließt sich Bloch zur Emigration nach New York. 1938-1948 Aufenthalt in den USA. Bloch arbeitet an seinem dreibändigen Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung". Der Philosoph formuliert hier seine Hoffnung auf eine Welt, in der die Entfremdung des Menschen von Gesellschaft und Natur überwunden sein wird. 1944 Er gründet gemeinsam mit Alfred Döblin, Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, John Heartfield und Heinrich Mann den Aurora-Verlag in New York. 1948 Bloch nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Leipzig an. 1953-1956 Herausgeber der "Deutschen Zeitschrift für Philosophie". Bloch äußert sich hier auch kritisch über die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). 1954-1959 Publikation von "Das Prinzip Hoffnung". 1957 Er wird wegen seiner offenen Kritik an der doktrinären Erstarrung des Marxismus in der DDR und wegen seiner kritischen Beurteilung der Niederschlagung des Ungarnaufstands zwangsemeritiert. 1961 Während einer Vortragsreise in der Bundesrepublik Deutschland wird Bloch mit seiner Frau vom Mauerbau überrascht. Das Ehepaar entscheidet sich, nicht in die DDR zurückzukehren. Er nimmt die Professur für Philosophie an der Universität Tübingen an. 1962 Bloch wird von der Ostberliner Akademie der Wissenschaften ausgeschlossen. ab 1966 Bloch protestiert öffentlich gegen die amerikanische Intervention in Vietnam. Durch seine Philosophie und seine politische Grundhaltung ist er gemeinsam mit Theodor W. Adorno und Max Horkheimer (1895-1973) eine der Leitfiguren der Studentenbewegung. 1967 Bloch erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 1968 Veröffentlichung von "Atheismus im Christentum". 1970 Blochs Geburtsstadt Ludwigshafen verleiht ihm die Ehrenbürgerschaft. 1975 Die Pariser Sorbonne und die Universität Tübingen verleihen Bloch die Ehrendoktorwürde. Er wird zum Ehrenmitglied der Akademie der Künste ernannt. 1977 Ernst Bloch stirbt in Tübingen.

 

Garmisch - sehr still und schön zum Philosophieren

Ernst Bloch hielt sich vom Frühjahr 1911 bis 1917 immer wieder in Garmisch-Partenkirchen und in Grünwald bei München auf. Am 19. Juli 1911 freute er sich in einem Brief an Georg Lukács "auf unser gemeinsames München". Am 26. August des gleichen Jahres berichtete er ihm von einem außergewöhnlichen Ausflug in die Berge: "Gestern kam ich von einer dreitägigen Kletterpartie zurück, die ich in den Bergen von Mittenwald unternommen habe - ein körperlicher Auftrieb zum Licht und zu einer ringsum seltsam vibrierenden und zerklüfteten Ewigkeit..." Im August 1912 war Bloch in der Garmischer Pension "Haus Erdmann", (damals Haus Nr. 64 1/3, heute vermutlich Höllentalstr. 36), offiziell gemeldet.

Garmisch muss ihm gut gefallen haben. Georg Lukács suchte er mit der Frage "Könntest Du nicht auch in einer kleinen bayerischen Stadt mit jener Kultur leben?" für einen längeren Aufenthalt im Gebirge zu gewinnen. Diese "kleine bayerische Stadt" hieß Garmisch und war ihm ein Ort, der "sehr still und schön zum Philosophieren" sei. Mit Pauline Strauss, der Frau des schon recht berühmten Garmischer Komponisten Richard Strauss, flanierte er hier durch die Gassen. Und äußerte dann in einem Brief: "Eine halbe Stunde spazieren gegangen und über den Dreck auf den Garmischer Straßen geredet." Man musste ja nicht immer Philosophieren. Auch die Garmischer Küche hat ihm Freude gemacht. In einem seiner Briefe aus der Zeit erzählte er davon, dass er gerne an einem "alten Mittagstisch in der so vertrauten niedrigen bäurischen Wirtsstube" saß und "mit Patriotismus das deutsche Essen" gegessen und "dazu den 'Loisach-Boten' gelesen" habe. Im Mai 1913, kurz vor der Eheschließung mit der Bildhauerin Elsa von Stritzky, logierte Ernst Bloch vorübergehend in einem der nobelsten Häuser am Platz - im Hotel Neuwerdenfels.

 

Die Anfänge meiner Philosophie

„Ich war immer wieder von Heidelberg weg, habe eigentlich meinen Schreibtisch in Garmisch stehen gehabt, Garmisch und Heidelberg haben alterniert; in Garmisch sind auch die Anfänge meiner Philosophie schriftlich entstanden - also eine bayerische Geburt, mit dem Willen, der Alpen würdig zu sein, die ich vor meinem Fenster hatte. Wenn wir getrennt waren, ich in Garmisch und Lukács in Heidelberg oder sonstwo, und wir uns dann wiedersahen nach ein oder zwei Monaten - da konnte es vorkommen, dass ich oder er dort anfingen zu sprechen oder zu denken, wo der andere gerade aufgehört hatte.“

 


 

Quellen:

- Schreiben des Marktes Garmisch-Partenkirchen vom 04.09.1985 an Albrecht Linke

- Münchner Merkur 31.08.1985 - "Suhrkamp präsentiert die Briefe Ernst Blochs"

- Elisabeth Tworek, Spaziergänge durch das Alpenvorland der Literaten und Künstler (Zürich-Hamburg 2004), S.. 107

- Ernst Bloch, Über eigenes selber. In: „Morgenblatt des Suhrkampverlags“ Nr. 14, 2., November 1959, S. 1f

- http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BlochErnst/index.html

 

 

© Alois Schwarzmüpller 2007

 

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